Europeade 2017 in Turku/Finnland

 

Die Europeade, das größte europäische Trachten- und Folklorefestival, fand vom 26. bis 30. Juli 2017 in Turku/Finnland statt.

Natürlich war es für die Riesengebirgs-Trachtengruppe München eine Selbstverständlichkeit, sich auch in diesem Jahr wieder auf die Reise zu machen. Nutzt man den Landweg, so hat man etwas mehr als 2.500 km einfache Strecke vor sich, bis man die Stadt Turku erreicht. Wir entschlossen uns, Teile der Strecke mit der Fähre zurückzulegen und hatten, zu Hause angekommen, letztlich etwas mehr als 3.100 km auf dem Tacho unseres gemieteten Kleinbusses.

Voller Vorfreude auf die Teilnahme bei der Europeade starteten wir am Morgen des 22. Juli und erreichten nach einer Tagesfahrt den Hafen von Travemünde. In der Zwischenzeit war unsere Reisegruppe ganz schön angewachsen. Karl Biedermann und Christiane Webert von der Brückenberger Trachtengruppe Herzogenaurach schlossen sich uns ebenso an, wie Margit Bergmann von der Eichendorff-Tanzgruppe Forchheim und Andreas Tiedemann, Vorsitzender der Schlesischen Jugend Bayern, mit seiner Frau und seinen beiden Kindern.

Von Travemünde brachte uns die Fähre in 27-stündiger Fahrt nach Helsinki, das wir am Montagmorgen erreichten. Bis Mittwoch hatten wir Gelegenheit, die Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten, einschließlich der vorgelagerten Festungsinsel Suomenlinna, kennenzulernen und uns mit dem nördlichen Europa anzufreunden. Am Mittwoch erfolgte schließlich die Weiterfahrt nach Turku und dort die Anmeldung und Registrierung für die Europeade. Schon am selben Abend gab es den ersten Höhepunkt. Einige hundert finnische Trachtenträger empfingen die Gäste aus ganz Europa mit einem vielfältigen Programm. Durch die Darbietungen erlangte man einen Einblick in die finnische Volkskultur und alle fühlten sich durch die Herzlichkeit der Gastgeber willkommen geheißen.

Die Riesengebirgler griffen dann am nächsten Tag aktiv in das Programmgeschehen der Europeade ein. Vormittags zeigten wir auf der großen Bühne des Forums einfache Tänze aus unserem Repertoire, wobei wir die Zuschauer einluden, mitzumachen. Von dieser Einladung wurde auch reichlich Gebrauch gemacht. Ein wesentlicher Gedanke der Europeade ist das gegenseitige Kennenlernen der Volkskulturen. Durch die Tanzdarbietungen zum Mitmachen wird dies besonders hautnah übertragen. Zur Mittagsstunde gaben Veronika, Markus und Uli auf derselben Bühne ein viertelstündiges Konzert mit dem Glockenspiel.

Weiter ging es nachmittags mit einer repräsentativen Darbietung, zu der wir uns mit allen anwesenden Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Schlesischer Trachtengruppen zusammenschlossen.

Der Donnerstagabend war mit der offiziellen Eröffnungsveranstaltung ausgefüllt, zu deren Beginn die Fahne der Europeade feierlich gehisst wurde. Die letztjährige Europeade fand in Namur/Wallonien statt und so wurde die Fahne von den Wallonen an die finnischen Trachtenträger übergeben. Im Anschluss folgte ein reichhaltiges und abwechslungsreiches Programm an Tanzdarbietungen der verschiedensten Gruppen.

Am Freitag blieb Zeit, die Sehenswürdigkeiten der Stadt, insbesondere das schöne Schloss, zu besichtigen, sowie auf den zahlreichen Bühnen in der Stadt die Darbietungen der anderen Gruppen zu bewundern. Einige RTGler unterstützten die Oppelner Schlesier im Freilichtmuseum bei deren Auftritt. Abends stellten die Chöre der unterschiedlichsten Regionen ihr Können unter Beweis. Auch der Chor der ARGE beteiligte sich mit einer gelungenen Liedauswahl.

Am Samstag wurden Delegierte aller Gruppen vom Bürgermeister der Stadt Turku und vom Internationalen Europeadepräsidenten Armand de Winter auf einem Dreimastschoner im Hafen Turkus empfangen. Das prächtige Schiff ist dort festgemacht und dient allgemein für Veranstaltungen. Für den Empfang war dies ein würdiger Rahmen. Nachmittags ging es dann zur großen Parade. Alle Teilnehmer zogen etwa zwei Kilometer am Flussufer bis zum Europeade-Forum, wo sich der Zug auflöste. Den Zugweg säumten viele Zuschauer, die begeistert die Vielfalt der europäischen Trachten beklatschten. Mit etwa 6.200 Teilnehmern war dies ein sehr imposanter Zug.

Auf der großen Bühne neben dem Forum feierten die Trachtler mit der Musik von vier verschiedenen Musikkapellen den traditionellen Europeadeball. Die Tanzfläche war gut gefüllt und reichte fast nicht aus. Aber rund um den Platz konnten große Wiedersehen gefeiert und neue Freundschaften geschlossen werden.

Mit dem Sonntag war auch schon der letzte Veranstaltungstag erreicht. Wie üblich wurde ein ökumenischer Gottesdienst zelebriert, bei dem natürlich auch teilnehmende Gruppen die musikalische Gestaltung übernahmen.  Nachmittags fanden sich nochmals alle zur Schlussveranstaltung in der enormen Eishalle im Gatorade Center ein. Hier zeigten gleich zu Programmbeginn die Schlesier den für dieses Jahr gemeinsam einstudierten Europeadetanz „Hanaks Konter“. Dabei füllten sie mit 28 Paaren 5 Podien und somit den gesamten Hallengrund aus. Die bereits erwähnten „bayerischen Schlesier“ stellten dabei zusammen mit den Paaren der Rübezahls Zwerge, die mit dem Flugzeug angereist waren, stolze 10 Paare.

Nach unserem Eröffnungsreigen schloss sich wiederum eine abwechslungsreiche und interessante Folge von Darbietungen der Gruppen aus den verschiedensten Teilen Europas an. Sie endete in der Schlusszeremonie mit dem Einholen der Fahne, und der Einladung für 2018 nach Viseu in Portugal.

Am Montag begann die Rückreise für die schlesischen Trachtler aus Bayern. Mit der Fähre setzten wir von Turku über nach Stockholm und konnten bei bestem Wetter die Schärenlandschaft bewundern, die hier durchkreuzt wird. Dienstag und Mittwoch genossen wir in vollen Zügen die Sehenswürdigkeiten Stockholms, ehe wir am Donnerstag die Reise fortsetzten. Die nächste Station war die Insel Öland, von der wir dann am Samstag nach Malmö starteten. Als letzte Überfahrt war von hier aus die Fähre zurück nach Travemünde gebucht. Die Nachtpassage ersetzte uns zugleich die Übernachtung und gequält von einigen Staus erreichten wir am Sonntagabend müde, aber glücklich, unsere Heimatstadt München. 

Meinen Mitstreitern möchte ich Dank sagen für den Zusammenhalt und die gute Stimmung, von der die Reise stets begleitet wurde. Ebenso für das unermüdliche Engagement, das schlesische Brauchtum zu pflegen. Wie mir immer wieder bestätigt wird, ist der Lohn das wunderbare Erlebnis der Europeade, in dem Bewusstsein, einen soliden Beitrag für die Einigung der Völker zu leisten und an der Basis aktiv dazuzugehören.

 

Uli Moll